• +49 331 600 75 290
  • Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Ammeva Mitgründer Dr. Koettnitz über das Wunder Muttermilch

Ammeva Mitgründer Dr. Koettnitz über das Wunder Muttermilch

Ich bin begeisterter Geburtshelfer und war in meinem Erstberuf Lehrer. Daher habe ich eine starke Verbindung zu Kindern, deren Wohlergehen mir sehr am Herzen liegt. Dies betrifft insbesondere Frühgeborene Kinder, die unserer größtmöglichen Aufmerksamkeit bedürfen.

Dr. Koettnitz

Dr. Koettnitz im Interview über das Wunder Muttermilch

Dr. Koettnitz ist Chefarzt der Gynäkologie des Mairen Hospitals Papenburg Aschendorf. Im Interview spricht er darüber, warum Muttermilch für Babys und insbesondere Frühgeborene so wichtig ist, das Lebenselixier zu trinken, wie man Muttermilchspenderin wird und mehr! 

Ammeva: Muttermilch ist das Beste für Säuglinge. Viele Komponenten sind bereits von der Wissenschaft entschlüsselt. Warum kommen die bisherigen industriellen Produkte der „echten“ Muttermilch trotzdem nicht nahe genug – was ist das Geheimnis des Lebenselixiers?
 

Frühchen mit Ammeva Muttermilch



Dr. Koettnitz:
 

Das Geheimnis liegt in der Herkunft des Produktes begründet.

Eine Kuh produziert ihre Milch (eigentlich) für das Kälbchen, eine Stute für ihr Fohlen. Da Milch nicht nur einfach „eine“ Milch ist, sondern hochspezifisch für jede Art, kann man die Eigenschaften ein wenig mit denen von Spenderorganen vergleichen. Wenn man ein Spenderorgan braucht, muss die Medizin sehr viel tun, um die Abwehrreaktionen des Empfängers gegen das fremde Organ (gegen seine Eiweiße) weitestgehend zu unterdrücken. Nicht ganz so stark ist der Abwehrvorgang des Säuglingsdarmes in der Regel, wenn er artfremdes Eiweiß in Form von Kuhmilch bekommt. Da sehr früh geborene Kinder („Frühchen“) noch nicht die gleichen Abwehrkräfte wie ein reif geborenes Kind besitzen, fällt Ihnen die Abwehr sehr viel schwerer, oder sie schaffen es nicht einmal und reagieren heftig darauf. Deshalb ist die „Milch vom Menschen“ nicht nur anders zusammengesetzt als tierische Milch, sondern hat auch sehr viel spezifische Eigenschaften, die Milch von Tieren niemals für den Menschen haben kann.

Ammeva: Sie haben zusammen mit einem Team (ggf. konkretisieren) das Unternehmen Ammeva gegründet, das Muttermilch pulverisiert für den Gebrauch auf Frühgeborenen-Stationen. Wie läuft der Prozess ab und was unterscheidet das Ammeva-Muttermilchpulver von anderen Muttermilchprodukten?

Dr. Koettnitz: Einen Teil der Frage habe ich oben schon beantwortet. AMMEVA unterscheidet sich nun von allen anderen Milchbanken dadurch, dass AMMEVA die Milch nicht pasteurisiert und einfriert, sondern das wir die Milch auf andere Art und Weise keimarm machen und sie dann trockenen, sodass sie zum Milchpulver wird. Dieses Milchpulver, wie man es auch von Kuhmilch kennt, behält durch unsere besondere Bearbeitung den allergrößten Teil der Wirkung der darin enthaltenen Eiweiße, was für die sehr früh geborenen Kinder die diese Milch bekommen sollen sehr wichtig ist, da wir nicht pasteurisieren.

Unser AMMEVA Milchpulver ist nach dem Trocknen einfach zu lagern und zu versenden, und hält mehr als doppelt so lange wie die Milch der herkömmlichen Milchbanken.


Ammeva: Wie gewährleisten Sie, dass die Muttermilch, die über Spenderinnen kommt, keine Keime oder Viren enthält – da sie ja nicht pasteurisiert wird?

Dr. Koettnitz: So ganz ausführlich kann ich dies hier nicht darlegen, da es sich um ein Betriebsgeheimnis von AMMEVA handelt. Wir führen nach der Behandlung sehr aufwendige und teure Kontrollen am Endprodukt, dem Pulver, durch, um die Sicherheit für das frühgeborene Kind zu gewährleisten.

Ammeva: Warum sind insbesondere Frühchen auf die Muttermilch angewiesen?


Dr. Koettnitz: Die Antwort hierauf findet man auch bei Punkt zwei. Ich will jedoch noch ein wenig näher ausführen. Die sehr empfindlichen frühgeborenen Kinder haben, ohne dass sie körperlich sehr viel tun, einen sehr hohen Kalorienbedarf pro Tag, da sie normalerweise im Bauch der Mutter noch über die Nabelschnur ernährt würden. Zusammen mit der oben schon erläuterten Abwehrschwäche der Frühgeborenen, lässt sich das Problem im Moment nur mit Produkten tierischer und pflanzlicher Herkunft lösen.
Ammeva: Was sind andere Kontraindikationen des Stillens – und erhalten diese Frauen auch das Ammeva-Muttermilchpulver? Wo kann man das Pulver kaufen?

Es gibt nur wenige, wirkliche Umstände, unter denen insbesondere die Mutter eines frühgeborenen Kindes nicht stillen darf oder kann.

Wenn es zum Beispiel trotz aller, fachlich durch eine Hebamme oder eine Stillberaterin angeleitet, nicht gelingt, bei der Mutter des Frühchens die Milchbildung im ausreichenden Maße zu stimulieren, dann braucht dieses Kind Milch von einer Spenderin oder eben von AMMEVA. Frauen, die während der Schwangerschaft auf wichtige Medikamente, die sie wegen einer erheblichen Erkrankung eigentlich hätten nehmen müssen, können diese Medikamente nicht noch länger absetzen und nehmen sie auf ärztliche Anweisung sofort nach der Geburt des Ki9ndes wieder ein. Da ein großer Teil der Medikamente auch in die Milch einer Frau abgeben wird, sind auch die Kinder dieser Mütter mögliche Empfänger unserer Milchpulver. Ammeva produziert und liefert nur für und an Kliniken, die Frühgeburten versorgen. Wenn die dortigen Ärzte das weitere Füttern auch über das verlassen der Klink hinaus anbefehlen, wird das Produkt von AMMEVA direkt versandt.

Ammeva: Die Muttermilchspende an sich hat eine lange Tradition, zum Beispiel durch Ammen aber auch über Spenderbanken. Die Bereitschaft zur Spende hat aber in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Warum gab es diesen Abwärtstrend und wie kann man ihn Ihrer Meinung nach wieder umdrehen?


Dr. Koettnitz: Der Abwärtstrend im früheren Westdeutschland kam mit einem Mal in Verbindung mit dem Aufkommen der HIV Erkrankung auf. Man fürchtete, die möglicherweise in Muttermilch vorhandenen Viren nicht vollständig entfernen oder auch nur nachweisen zu können, sodass die westdeutschen Muttermilchsammelstellen geschlossen wurden. Die ehemalige DDR hat aus verschiedensten Gründen diesen Schließungsprozess nicht mitgemacht und bildete mit Ihren weit über 10 Milchbanken nach der Wiedervereinigung einen unschätzbaren Vorrat an Erfahrung und Kenntnis, sodass nun auch im Westen des Landes wieder neue Milchbanken entstehen. AMMEVA versteht sich nicht als Konkurrenz, sondern als Veredler des Produktes. Wir versuchen durch einen möglichst hohen Komfort für die Spenderin, gemeint ist das Liefern einer Pumpe, von Milcheinfriermöglichkeiten bis hin zur organisierten Abholung und die Betreuung durch eine Hebamme oder Stillberaterin, den Aufwand für die Spenderin so niedrig wie möglich zu halten.

Ammeva: Können alle Frauen ihre Muttermilch spenden oder gibt es eine ideale Spenderperson?

Dr. Koettnitz: Alle Frauen können spenden, wenn sie bestimmt, von AMMEVA zu prüfende Voraussetzungen erfüllen. 


Dazu gehört neben einigen anderen Voraussetzungen, dass die Spenderin nicht raucht, bestimmt Medikamente nicht nimmt und auch sonst nicht krank ist. Im einzelnen Fall muss sich der AMMEVA Arzt damit auseinander setzen und eine Entscheidung für oder gegen die Spende einer solchen Mutter aussprechen.


Ammeva: Wenn eine Frau über genügend Milch verfügt und als Spenderin geeignet ist, wie ist dann der Prozess, bis die Milch im Krankenhaus landet?

Dr. Koettnitz: Die Spenderin meldet sich bei AMMEVA telefonisch oder über das Internet. Sie nennt uns ihre eigene Hebamme oder bekommt eine Hebamme oder Stillberaterin von AMMEVA gestellt. Eine Milchpumpe kommt ebenso wie alle anderen für die Spende benötigten Utensilien nach Hause. Zuvor wurden von der Stillberaterin oder der Hebamme die festgestellten Laborwerte aus dem Mutterpass oder aus einem Labor, wenn der Mutter nochmals Blut abgenommen wurde, an AMMEVA übermittelt.

Dann wird die gespendete Milch mehrfach untersucht und über eigens entwickelte Verfahren getrocknet oder auch zu sogenannten Fortifiern verarbeitet. Das sind getrocknete Bestandteile der Spendermilch, die der Muttermilch der eigenen Mutter des Kindes zugegeben werden, um den extrem hohen Kalorienbedarf zu befriedigen. Getrocknete Fortifier wie sie AMMEVA herstellt, gibt es auf der Welt sonst noch nicht.

Herzlichen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok